Das Verhältnis des analogen Vermittlers zu Insurtechs, wie z.B. Getsurance, ist geprägt von gegenseitiger Unkenntnis über den anderen. Dabei könnten beide voneinander profitieren. Denn der Vermittler hätte gerne die technischen und finanziellen Möglichkeiten der Insurtechs und diese wollen wiederum genau da hin, wo die Vermittler derzeit sitzen: an die Schnittstelle zwischen Kunden und Versicherer.

Auf dem Weg dorthin könnten die neuen Player vom Fachwissen der Vermittler profitieren. Woran es allerdings nicht mangelt, ist Selbstvertrauen und Willen. Denn den Online-Vermittlern geht es vordergründig nicht um das alte Spiel von Beratung-Angebot-Abschluss, sondern einfach nur um Kontakte zu den potentiellen Kunden.

Digital heißt ständige Verbesserung

Deswegen stört es Getsurance erstmal auch nicht, wenn die Internetseite zur Vermittlung einer sogenannten Berufsunfähigkeits-Versicherung schon online ist, aber für eine der drei angebotenen Varianten (Job Basis) die Allgemeinen Versicherungsbedingungen noch nicht bereitstehen. Frei nach dem Motto: Ein fahrender Wagen lenkt sich besser. Zumindest weiß der Kunde schon mal, was er bald auch abschließen könnte und was es kosten würde.

Es wird immerhin darauf hingewiesen, dass die AVB bald nachgereicht werden.

Was ein großer Schritt in Richtung Kooperation darstellt ist die Tatsache, dass die BUV von getsurance auch für Versicherungsmakler abschließbar ist. Update: Seit 2019 nicht mehr.

Digitale Antragsfragen bei der Berufsunfähigkeitsversicherung von getsurance

Über die Antragsfragen und ob diese die Anforderungen zur Erfüllung der vorvertraglichen Anzeigepflicht erfüllen, werden Gerichte entscheiden müssen. Hier sollen nur die vorliegenden AVB besprochen werden. Interessant und erwähnenswert ist allerdings, dass nur nach dem Grad der körperlichen Arbeit und nicht nach dem tatsächlichen Beruf zur Tarifierung gefragt wird.

Abschluss in drei Varianten möglich

Die Variante „Job Comfort“ ist am Markt sehr selten anzutreffen. Es ist eine Berufsunfähigkeits-Versicherung, die nicht bei psychischen Erkrankungen leistet. Führt Krankheit, Körperverletzung oder einfacher Kräfteverfall zum Pflegegrad I nach § 15 SGB gilt der Ausschluss der Psyche aber nicht.

In der Variante „Job Premium“ greift der Ausschluss für psychische Erkrankungen nicht. Als Zusatzleistung gibt es eine sogenannte Überbrückungshilfe bei der Einstellung von Krankengeldzahlungen eines privaten Krankenversicherers. Diese Überbrückungshilfe wird aber nur geleistet, wenn die Einstellung erfolgt, weil aus medizinischen Gründen eine BU vorliegt. Wird die Leistung eingestellt, weil die Arbeitsunfähigkeit nicht mehr zu 100% besteht, gibt es von Getsurance kein Geld.

Die erhaltene Leistung muss auch zurückgezahlt werden, wenn die Leistungsprüfung ergibt, dass eine BU nicht vorliegt. Allerdings verzichtet Getsurance bzw. der Risikoträger Squarelife Lebensversicherungs-AG auf die Rückforderung, wenn bis zum Abschluss der Leistungsprüfung nicht erneut Krankengeld bezogen wird.

Die konkrete Verweisung

Beide Varianten verzichten auf die konkrete Verweisung bei einer Einkommensminderung von 20%. Eine penible Auslegung würde sich daran stören, dass der Verzicht nur grundsätzlich gilt, was in Ausnahmen eine andere Einschätzung erlauben würde. Da im Folgenden aber darauf verwiesen würde, dass infolge einer neuen höchstrichterlichen Rechtsprechung auch ein niedrigerer Prozentsatz binden würde und schon heute in Ausnahmefällen niedrigere Einbußen als unzumutbar angesehen werden, darf unterstellt werden, dass der Versicherer hier nur unsauber formuliert hat.

Anmerkung des Verfassers: Mittlerweile sind die AVB dahingehend nachgebessert!

Bei der Umorganisation von Selbständigen wäre eine nur halbwegs präzise Formulierung wünschenswert gewesen. Hier findet sich allerdings kein Hinweis auf die Zumutbarkeit. Allerdings ist positiv zu werten, dass auf die Umorganisation bei weniger als 5 Mitarbeitern verzichtet wird.

Ebenfalls positiv zu werten ist, dass bei vorübergehendem oder endgültigem Ausscheiden aus dem Berufsleben immer der zuletzt ausgeübte Beruf geprüft wird.

Die Ausschlussklauseln

Was Getsurance genauer definieren sollte, ist der Ausschluss des Versicherungsschutzes bei gefährlichen Freizeitaktivitäten. Hier ist nur eine Auswahl genannt und alleine das „normale Skifahren“ als „keine gefährliche Freizeitaktivität“ gekennzeichnet. Wie gefährlich beispielsweise der Volkssport Fußball sein kann, bestätigt jeder, der mal den Sonntagnachmittag in einer Notaufnahme verbracht hat. Das kann im Einzelfall zu Problemen führen.

Anmerkung des Verfassers: Mittlerweile sind die AVB dahingehend nachgebessert!

Im Leistungsfall sollten medizinische Untersuchungen in Deutschland durchgeführt werden oder nach den in Deutschland angewandten Grundsätzen. Getsurance erstattet die Reisekosten und die für die Übernachtung bis zu 75 Euro pro Nacht. Ob dieser Betrag an die Inflation anpasst, ist nicht geregelt.

Unterm Strich

Unterm Strich sind die Bedingungen definitiv nicht unter den besten zehn Anbietern am Markt zu verorten, aber eben solide durchschnittlich. Sinnvoll wäre es von Getsurance eine Kooperation mit einem Versicherungsberater oder Anwalt, der auf die Begleitung von Leistungsfällen spezialisiert ist, einzugehen. Denn im Leistungsfall wird der große Nachteil sein, dass der Kunde erstmal auf sich allein gestellt ist, weil Getsurance nicht so nahe am Kunden ist, wie der analoge Makler.

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