Am Wochenende hat sich ein alter Studienfreund bei mir gemeldet. Er wollte wissen, ob ich mich mit Berufsunfähigkeits-Versicherungen auskenne. Ich so: Frag mal. Vielleicht haben wir Glück. Und er so: Wann ist eine Berufsunfähigkeits-Versicherung sinnvoll für mich? Ich so: Uff. Mit wenigen Ausnahmen immer.

Wann ist eine Berufsunfähigkeits-Versicherung sinnvoll für mich?

Seitdem überlege ich, ob sich leicht abfragen ließe, ob eine Berufsunfähigkeits-Versicherung sinnvoll ist.

Ich komme dabei auf einen Fragenbaum, der sich in verschiedene Richtungen verzweigen kann. Oder gleich zu Beginn zu Ende ist.

Die erste Frage lautet:

Hast du laufende Ausgaben, die du mit deinem Arbeits-Einkommen deckst?

Der Hintergrund ist simpel. Wenn ich meine Ausgaben mit Mieteinnahmen bezahle, muss ich mein Einkommen anders absichern. Es ist egal, ob ich krank bin. Wichtig ist, dass die Immobilie steht. Bin ich Privatier und lebe von meinem Geld, dann muss ich an dieser Stelle überhaupt nix absichern. Ich muss mich vor hohen Kosten durch Krankheiten usw. schützen, damit mein Vermögen, von dem ich lebe, nicht gefährdet ist.

Verdiene ich aber mein Geld mit meinem Job und decke mit diesem Geld meine Ausgaben, muss ich meine Arbeitskraft absichern. Dann ist eine Berufsunfähigkeits-Versicherung sinnvoll. Und wir kommen zur nächsten Frage:

Benötigst du mehr als ein Drittel deiner Einnahmen, um deine Ausgaben zu sichern?

Vielleicht ist keine Berufsunfähigkeits-Versicherung sinnvoll, wenn du jeden Monat zwei Drittel deines Geldes aufs Konto legst. Das liegt aber nicht daran, dass du so viel sparst, sondern daran, dass du so wenig brauchst. Der gesetzliche Schutz der Erwerbsminderungsrente zahlt dir ca. ein Drittel deines Gehalts, wenn du keine drei Stunden mehr am allgemeinen Arbeitsmarkt arbeiten kannst.

Wenn du zwischen drei bis sechs Stunden arbeiten kannst, bekommst du davon etwa die Hälfte. Könnte dir dann egal sein, weil du ja jeden Monat was auf die Seite gelegt hast. Das Geld brauchst du jetzt für ein Jahr. Bekommst du innerhalb des Jahres keine Anstellung am allgemeinen Arbeitsmarkt, erhältst du die voll Erwerbsminderungsrente.

Bei Beamten geht das Spiel ein bisschen anders. Hier müssen zwischen einem Drittel und fast drei Viertel des Einkommens ausreichen. Kommt auf die Besoldungsgruppe an. Und wie lange ich schon verbeamtet bin. Am besten, Beamte schreiben mir einfach ne E-Mail oder rufen gleich an 🙂

So weit, so gut. Aber das mit dem allgemeinen Arbeitsmarkt führt zu einer weiteren Frage:

Arbeitest du zu 0% körperlich oder hättest du zumindest die Ausbildung und die Lust dazu?

Der allgemeine Arbeitsmarkt hält so einiges parat. Im Grunde alles, was kein behindertengerechter, kein Schon- und kein Nischenarbeitsplatz ist. Der Pförtner ist es eher nicht, aber ein Nachtwächter könnte es schon sein. Wärst du also unfähig, in deinem Beruf ein Einkommen zu erzielen, könntest aber noch sechs Stunden am Tag als Nachtwächter arbeiten, dann gibt es überhaupt kein Geld. Und ja, ich weiß, Nachtwächter arbeiten überhaupt nicht am Tag. Das ist aber dann nicht mehr witzig.

Arbeitest du also als Büroangestellter, der den ganzen Tag am Schreibtisch sitzt und du kannst von einem Drittel deines Gehaltes leben und du hast ein finanzielles Polster, um auch mal ein Jahr mit der Hälfte durchzukommen, dann kannst du dir auch überlegen, ob für dich eine Berufsunfähigkeits-Versicherung wichtig ist.

Sind deine Ausgaben aber höher als ein Drittel deines Einkommens oder dein Beruf etwas komplexer als der einfachste Beruf am allgemeinen Arbeitsmarkt, wäre eine Berufsunfähigkeits-Versicherung sinnvoll für dich.

Dann darfst du überlegen, ob es leichter ist, deinen Bedarf zu ermitteln und Bedingungen und Produkte am Markt zu bewerten und zu vergleichen oder einen Vermittler zu finden, der das gut kann und dem du vertraust.

Denn es gibt nur eine Versicherung, die wirklich sinnlos ist: die, die im Leistungsfall nicht leistet.

P.S.: Eine Berufsunfähigkeits-Versicherung ist auch dann sinnvoll, wenn der Arzt sagt, dass ich gesund bin. Denn auch Gesunde können krank werden. Logisch, oder? Der Gesundheitszustand ist dann eher ein Thema für die Versicherbarkeit. Aber das erklär ich wann anders 🙂 Nämlich hier.

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