Des Deutschen Verhältnis zum Geld lässt sich schwer erklären. Oft werden vergangene Kriege und andere harte Zeiten angeführt, um zu rechtfertigen, warum hierzulande laut einer Umfrage der GfK 40% der Befragten ihr Geld auf dem Sparbuch liegen haben, aber nur 12% der Befragten diese Form der „Geldanlage“ für attraktiv befinden. Die Einsicht scheint also immerhin schon vorhanden, dass Geld sich nur schlecht vermehrt, wenn es gespart wird. Es muss investiert werden, um zu wachsen. Eine Rentenversicherung wäre eine Möglichkeit.

Die Rentenversicherung wird im oben erwähnten Investmentbarometer 2016/2017 von 28% als attraktiv eingeschätzt. Und dabei muss ich bei der Attraktivität der Rentenversicherung noch bedenken, dass sie ja keine Geldanlage im eigentlichen Sinne ist, sondern eine Versicherung, die ein Risiko absichert. Namentlich das Risiko, länger zu leben als geplant.

Missverständnisse bei der Rentenversicherung

Es fällt dem durchschnittlichen Deutschen aber recht schwer, die Wertigkeit einer Rentenversicherung richtig einzuschätzen. Das hat im Wesentlichen drei Gründe:

  1. Er schätzt seine Lebenserwartung falsch ein.
  2. Die Rentenversicherung wird mit anderen Anlageprodukten verglichen.
  3. Er möchte größtmögliche Sicherheit bei höchstmöglicher Rendite.

Falsche Einschätzung der Lebenswerwartung

Was die Lebenserwartung betrifft, ist nur logisch, dass wir uns mit unseren Großeltern vergleichen. Der Vergleich hinkt aber ganz gewaltig. Ein Großvater, der 1924 auf die Welt kam, hatte eine Lebenserwartung von 55,97 Jahren. Selbst wenn er vor 17 Jahren verstorben wäre, hätte er 20 Jahre länger gelebt, als es die Statistik ihm zugetraut hätte. Strenggenommen wird der zweite Weltkrieg dafür gesorgt haben, dass die Statistik unterm Strich wieder stimmt.

Wer 1980 das Licht der Welt erblickte, hat eine statistische Lebenserwartung von 69,62 Jahren. Ich kann diese aber ebenso wie meine Großeltern um 20 Jahre oder mehr überleben. Lebt der 1924 geborene Großvater noch heute, hätte er das schon um 37 Jahre geschafft. Auf den 1980 Geborenen übertragen, würde dieser 107 werden.

Auch wenn wir uns das heute schwer vorstellen können, müssen wir uns damit abfinden, dass wir wahrscheinlich etwa 15 Jahre länger leben als unsere Großeltern im Schnitt.

Rendite ist nicht der Hauptzweck der Rentenversicherung

Der zweite Punkt bedarf ebenfalls einer Einsicht. Die Rentenversicherung ist eine Versicherung und erwirtschaftet eher zufällig als hauptsächlich eine Rendite. Die Versicherung sichert ein lebenslanges Einkommen in einer vereinbarten Höhe oder einem vereinbarten Umrechnungsfaktor vom vorhandenen Kapital in eine Rente.

Die Rendite ist durch die Kosten für den genannten Versicherungsschutz empfindlich geschmälert. Nur längere Laufzeiten neutralisieren die Kosten des Versicherungsmantels, da das Kapital im Vertrag vor Besteuerung geschützt ist. Auch werden in der Versicherung für gewöhnlich keine Kosten für eine Änderung der Anlagestrategie, wie eine vollständige Übertragung des Kapitals in einen neuen Fonds oder auch bei Wechsel des zukünftig zu besparenden Fonds, berechnet.

Aber unterm Strich ist die Hauptaufgabe der Rentenversicherung die Absicherung der finanziellen Folgen der Langlebigkeit.

Sicherheit und Rendite gibt es bei der Rentenversicherung nicht gleichzeitig

Für den letzten Punkt gilt hier das gleiche wie bei jeder anderen Anlage. Eine sichere Investition erbringt keine hohe Rendite. Setze ich auf Sieg des FC Bayerns darf ich mit weniger Gewinn rechnen als bei Sieg des 1. FC Nürnbergs. Dafür ist eben das Verlustrisiko in dem einen Fall geringer als im anderen. So ist das bei jeder anderen Anlage auch.

Was bei der Versicherung aber hinzukommt, ist eine ganze Menge an Auflagen, die das Unternehmen zu erfüllen hat, um die Kundengelder zu sichern. Das ist einerseits auch gut so, da es die Hauptaufgabe der Rentenversicherung sichert. Aber andererseits widerstrebt es dem Bedürfnis des Kunden, dass sein angelegtes Geld sich sicher und renditestark zu entwickeln hat.

Unterm Strich

Zusammengefasst täte sich jeder Vermittler, aber auch jede Versicherung selbst einen Gefallen, wenn die Renten-Versicherung nicht mehr unter den Rendite-Aspekten vertrieben werden würde. Kein gesunder Mensch käme auf die Idee, die Rendite seiner Kfz-Versicherung zu berechnen oder diese als Entscheidungskriterium für die Auswahl des passenden Versicherers anzulegen.

Die Rendite ist eher ein zufälliges Beiwerk. Deshalb sollten wir auch heute nicht darüber diskutieren, welche Anlageform die nächsten 30-40 Jahre die beste sein wird, sondern den Kunden dafür sensibilisieren, was die eigentliche Aufgabe der Rentenversicherung ist: Die Absicherung der finanziellen Folgen der Langlebigkeit.

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