Die gesetzliche Krankenversicherung steht finanziell unter Druck. Die Bundesregierung plant deshalb mehrere Maßnahmen, um die Beitragssätze zu stabilisieren.
Ein zentraler Punkt: Die Beitragsbemessungsgrenze und die Versicherungspflichtgrenze sollen zusätzlich angehoben werden.
Für viele klingt das zunächst technisch. Für Gutverdiener kann daraus aber eine sehr konkrete Frage werden:
Zahle ich künftig immer mehr in die gesetzliche Krankenversicherung ein, ohne dafür bessere Leistungen zu bekommen?
Gutverdiener zahlen Höchstbeiträge, bekommen aber keine Höchstleistungen
In der gesetzlichen Krankenversicherung richtet sich der Beitrag nach dem Einkommen. Je höher das Einkommen bis zur Beitragsbemessungsgrenze, desto höher der Beitrag.
Die Leistungen richten sich aber nicht nach dem Beitrag.
Das bedeutet: Wer sehr gut verdient, zahlt häufig den Höchstbeitrag, bekommt aber grundsätzlich denselben gesetzlichen Leistungsanspruch wie andere gesetzlich Versicherte auch.
Und genau hier beginnt die eigentliche Überlegung.
Beispiel: Tobias, 38 Jahre, IT-Projektleiter, verheiratet, zwei Kinder
Nehmen wir Tobias.
Tobias ist Jahrgang 1988, arbeitet als angestellter IT-Projektleiter und verdient 80.000 Euro brutto im Jahr. Er ist verheiratet und hat zwei Kinder.
2026 liegt er damit über der Jahresarbeitsentgeltgrenze und kann grundsätzlich in die private Krankenversicherung wechseln.
Aktuell zahlt Tobias in der gesetzlichen Krankenversicherung den Höchstbeitrag. Seine Kinder sind in der GKV beitragsfrei familienversichert, sofern die Voraussetzungen dafür erfüllt sind.
Vereinfacht gerechnet ergibt sich für Tobias in der GKV:
Position
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Heute 2026
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| Beitragsbemessungsgrenze GKV |
5.812,50 € |
| Krankenversicherung 14,6 % + angenommener Zusatzbeitrag 2,9 % |
1.017,19 € |
| Pflegeversicherung mit Kindern, vereinfacht 3,6 % |
209,25 € |
| Gesamtbeitrag GKV/Pflege |
1.226,44 € |
| Arbeitnehmeranteil, grob hälftig |
ca. 613 €
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Tobias zahlt also heute rund 613 Euro monatlich Eigenanteil für sich und seine Familie in der gesetzlichen Kranken- und Pflegeversicherung.
Was passiert durch die Reform?
Wenn die Beitragsbemessungsgrenze zusätzlich um 300 Euro pro Monat steigt, wird ein größerer Teil seines Einkommens beitragspflichtig.
Dann sähe die Rechnung vereinfacht so aus:
Position
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Nach zusätzlicher Anhebung
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| Neue Bemessungsgrundlage |
6.112,50 € |
| Krankenversicherung 14,6 % + angenommener Zusatzbeitrag 2,9 % |
1.069,69 € |
| Pflegeversicherung mit Kindern, vereinfacht 3,6 % |
220,05 € |
| Gesamtbeitrag GKV/Pflege |
1.289,74 € |
| Arbeitnehmeranteil, grob hälftig |
ca. 645 € |
Tobias würde also rund 32 Euro mehr pro Monat zahlen.
Das sind knapp 380 Euro mehr pro Jahr.
Und wichtig: Das ist nur der Effekt aus der höheren Beitragsbemessungsgrenze. Mögliche weitere Steigerungen beim Zusatzbeitrag, bei der Pflegeversicherung oder künftige Leistungseinschränkungen sind darin noch nicht berücksichtigt.
Und jetzt der spannende Vergleich: PKV mit zwei Kindern
Oft hört man: „Mit Kindern lohnt sich die PKV doch sowieso nicht.“
Das ist zu pauschal.
Ja, in der PKV braucht jede versicherte Person einen eigenen Beitrag. Kinder sind dort nicht automatisch beitragsfrei mitversichert. Aber: Auch für privat versicherte Kinder kann der Arbeitgeberzuschuss genutzt werden, solange der maximale Arbeitgeberzuschuss nicht ausgeschöpft ist.
Nehmen wir für Tobias ein Beispiel mit einem hochwertigen PKV-Schutz:
Person
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Monatsbeitrag
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Tobias, Premiumtarif inkl. Krankentagegeld, Pflegepflichtversicherung
und Beitragsentlastungstarif
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891,92 € |
| Kind 1, Premiumtarif inkl. Pflegepflichtversicherung |
234,45 € |
| Kind 2, Premiumtarif inkl. Pflegepflichtversicherung |
234,45 € |
| Gesamtbeitrag PKV Familie |
1.360,82 €
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Auf den ersten Blick liegt der PKV-Gesamtbeitrag damit über dem GKV-Gesamtbeitrag.
Aber für Tobias als Arbeitnehmer ist der Eigenanteil entscheidend. Denn auch in der PKV beteiligt sich der Arbeitgeber grundsätzlich am Beitrag, inklusive der Beiträge für privat versicherte Kinder, soweit die gesetzlichen Grenzen eingehalten werden.
Vereinfacht gerechnet:
Position
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PKV-Beispiel
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Gesamtbeitrag PKV Familie
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1.360,82 €
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Möglicher Arbeitgeberzuschuss, grob bis ca. 50 %
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ca. 680 €
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Eigenanteil Tobias
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ca. 680 €
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Damit liegt Tobias mit einem hochwertigen PKV-Schutz für drei Personen ungefähr in der Größenordnung seines künftigen GKV-Eigenanteils.
Der entscheidende Unterschied:
In diesem Beispiel erhält die Familie nicht einfach nur eine Alternative zur GKV. Sie erhält drei hochwertige private Krankenversicherungstarife, inklusive Absicherung der Kinder und sogar mit einem Beitragsentlastungsbaustein für Tobias.
PKV ist also nicht nur ein Beitragsthema
Genau deshalb greift der reine Blick auf den Monatsbeitrag zu kurz.
In der GKV zahlt Tobias als Gutverdiener den Höchstbeitrag. Seine Familie ist zwar beitragsfrei mitversichert, aber die Leistungen bleiben gesetzlich geregelt und können sich verändern.
In der PKV zahlt jede Person einen eigenen Beitrag. Dafür können die Leistungen je nach Tarif deutlich stärker ausfallen und sind vertraglich geregelt.
Typische Vorteile hochwertiger PKV-Tarife können sein:
- Bessere ambulante Leistungen: Zum Beispiel bei Fachärzten, Diagnostik, Vorsorge, Heilpraktikerleistungen oder bestimmten Behandlungsmethoden.
- Stärkere Krankenhausleistungen: Je nach Tarif mit Einbett- oder Zweibettzimmer, Chefarztbehandlung und freier Krankenhauswahl.
- Höhere Zahnleistungen: Gerade bei Zahnersatz, Implantaten, Inlays, Kieferorthopädie oder professioneller Zahnreinigung können gute PKV-Tarife deutlich mehr leisten.
- Vertraglich geregelte Leistungen: In der GKV können Leistungen politisch angepasst werden. In der PKV zählt, was im Tarif vereinbart wurde.
- Beitragsrückerstattung: Viele PKV-Tarife sehen eine Beitragsrückerstattung vor, wenn keine Leistungen eingereicht werden. Das kann den effektiven Beitrag zusätzlich verbessern. Ob und in welcher Höhe das gilt, hängt vom Tarif und vom Versicherer ab.
- Steuerliche Berücksichtigung: Beiträge für Basisleistungen können steuerlich geltend gemacht werden. Auch das sollte in einer vollständigen Betrachtung berücksichtigt werden.
- Was häufig vergessen wird: Die GKV ist in den vergangenen Jahren nicht dadurch attraktiver geworden, dass die Beiträge gestiegen sind. Im Gegenteil: Viele Versicherte erleben höhere Beiträge, steigende Zusatzbeiträge, mehr Zuzahlungen und gleichzeitig Diskussionen über Leistungsbegrenzungen. Für Gutverdiener entsteht dadurch ein unangenehmes Ungleichgewicht:
- Der Beitrag steigt. Die Leistung steigt nicht automatisch mit: Und genau das macht die Prüfung der PKV gerade jetzt so wichtig.
Der eigentliche Handlungsdruck: Die Tür zur PKV könnte sich schließen
Bei Tobias kommt noch ein zweiter Punkt hinzu.
Er verdient 80.000 Euro brutto im Jahr. Damit liegt er 2026 über der Jahresarbeitsentgeltgrenze und kann grundsätzlich in die PKV wechseln.
Wenn die Jahresarbeitsentgeltgrenze im kommenden Jahr weiter steigt, kann es passieren, dass Tobias mit seinem Einkommen nicht mehr darüberliegt.
Dann hätte er aktuell noch die Wahl, im nächsten Jahr aber möglicherweise nicht mehr.
Das ist der eigentliche Handlungsdruck.
Nicht, weil jeder Gutverdiener sofort in die PKV wechseln sollte. Sondern weil einige Gutverdiener gerade jetzt noch prüfen können, ob ein Wechsel sinnvoll ist. Wartet man zu lange, kann diese Möglichkeit vorerst weg sein.
Für wen kann die Prüfung besonders interessant sein?
Ein Wechsel in die PKV kann besonders für gutverdienende Arbeitnehmer, Selbstständige und Freiberufler interessant sein, wenn sie langfristig planen und Wert auf hochwertige medizinische Versorgung legen.
Auch mit Kindern kann die PKV interessant sein, wenn der Arbeitgeberzuschuss richtig berücksichtigt wird, die Tarife leistungsstark sind und die langfristige Beitragsentwicklung realistisch eingeplant wird.
Besonders wichtig sind dabei:
- Einkommen,
- Familienstand,
- Anzahl der Kinder,
- Gesundheitszustand,
- Tarifqualität,
- Selbstbeteiligung,
- Beitragsentlastung im Alter,
- steuerliche Wirkung,
- und die Frage, wie wichtig einem medizinische Versorgung auf hohem Niveau ist.
Unser Fazit
Die geplante Krankenkassenreform macht für Gutverdiener eines deutlich:
Die gesetzliche Krankenversicherung wird voraussichtlich nicht günstiger. Wer gut verdient, wird stärker zur Finanzierung des Systems herangezogen.
Das kann man politisch so wollen. Für den Einzelnen bleibt aber die berechtigte Frage:
Passt die gesetzliche Krankenversicherung noch zu meiner persönlichen Situation?
Gerade bei Gutverdienern lohnt sich der Vergleich. Und zwar nicht nur für Singles, sondern auch für Familien.
Denn wenn eine Familie mit zwei Kindern für einen ähnlichen Eigenanteil wie in der GKV einen hochwertigen PKV-Schutz für alle drei Personen bekommen kann, inklusive besserer Leistungen und Beitragsentlastung fürs Alter, sollte man sich das zumindest einmal genau anschauen.
Nicht jeder sollte in die PKV wechseln. Aber jeder Gutverdiener sollte wissen, ob er es könnte, ob es sich lohnt und welche langfristigen Folgen damit verbunden sind.
Wenn Du gut verdienst und wissen möchtest, ob ein Wechsel in die private Krankenversicherung für Dich und Deine Familie sinnvoll sein kann,
sprich uns gerne an. Wir prüfen mit Dir gemeinsam, welche Lösung zu Deiner persönlichen Situation passt.