Ein Praxisfall aus meiner Beratung als Finanzierungsberater

Wenn es um den Hausbau geht, konzentrieren sich viele Bauherren zunächst auf den Zinssatz. Verständlich, denn dieser entscheidet maßgeblich über die langfristigen Finanzierungskosten.

Doch oftmals steckt das größte Sparpotenzial gar nicht im Zinssatz selbst, sondern in der richtigen Struktur der Finanzierung.

Genau das zeigte sich bei einem jungen Paar, das kürzlich zu mir in die Beratung kam.

 

Das Ausgangsszenario

Die beiden hatten bereits ihr Wunschgrundstück und die Planung für ihr Eigenheim abgeschlossen. Die Finanzierung war ebenfalls schon weit fortgeschritten.

Bei ihrer Hausbank hatten sie ein Angebot über rund 400.000 Euro Darlehenssumme erhalten.

Und fairerweise muss man sagen: Die Kondition war durchaus ordentlich.

Dennoch stellte sich für das Paar die Frage, ob das Angebot wirklich optimal auf ihre persönliche Situation abgestimmt war. Deshalb vereinbarten sie einen Beratungstermin bei mir.

 

Der Blick hinter die Zahlen

In der Beratung beschränken wir uns nicht darauf, lediglich verschiedene Zinssätze zu vergleichen.

Wir analysieren zunächst die Gesamtsituation:

  • vorhandenes Eigenkapital
  • bestehende Versicherungen und Sparverträge
  • laufende Finanzierungen
  • zukünftige Einnahmen und Ausgaben
  • geplante Bauabschnitte
  • Zahlungszeitpunkte während der Bauphase

Dabei fiel ein Detail auf, das bislang nicht in die Finanzierung integriert worden war:

Das Paar verfügte über einen bestehenden Bausparvertrag mit einer Bausparsumme von 50.000 Euro und einem angesparten Guthaben von 24.800 Euro.

 

Der bestehende Bausparvertrag als Baustein der Finanzierung

Anstatt den Bausparvertrag unberücksichtigt zu lassen, haben wir genau geprüft, wie dieser sinnvoll in die Gesamtfinanzierung eingebunden werden kann.

Durch die Kombination aus Bankdarlehen und Bausparvertrag entstand ein günstigerer Finanzierungsmix.

Der Effekt:

Der sogenannte Mischzins der Gesamtfinanzierung konnte spürbar reduziert werden.

Für viele Bauherren ist das ein entscheidender Punkt, denn bereits kleine Unterschiede beim durchschnittlichen Finanzierungszins wirken sich über die gesamte Laufzeit auf mehrere tausend Euro aus.

 

Der eigentliche Hebel lag woanders

Noch interessanter wurde es, als wir gemeinsam den geplanten Bauablauf detailliert analysierten.

Viele Finanzierungen werden mit ausreichenden Sicherheitsreserven kalkuliert. Das ist grundsätzlich sinnvoll.

Oft wird jedoch nicht exakt betrachtet, wann welches Geld tatsächlich benötigt wird.

Deshalb erstellten wir einen vollständigen Zeitstrahl für das Bauvorhaben:

  • Grundstückszahlung
  • Erdarbeiten
  • Rohbau
  • Dach
  • Fenster
  • Innenausbau
  • Restarbeiten

Dabei zeigte sich, dass bis zum Bezug des Hauses und bis zur ersten vollständigen Darlehensrate noch fast zwei Jahre Zeit lagen.

In diesen zwei Jahren würde das Paar weiterhin Einkommen erzielen und zusätzlich Eigenmittel ansparen können.

 

Das Ergebnis: 70.000 Euro weniger Bankdarlehen

Durch die genaue Kosten- und Liquiditätsplanung ergab sich schließlich ein überraschendes Ergebnis:

Die ursprünglich geplanten 400.000 Euro Fremdfinanzierung waren gar nicht erforderlich.

Stattdessen konnten wir die Bankdarlehenssumme auf lediglich 330.000 Euro reduzieren.

Die Differenz wurde durch:

  • vorhandenes Eigenkapital,
  • weitere Ansparleistungen während der Bauphase und
  • die intelligente Einbindung des bestehenden Bausparvertrags abgedeckt.

 

Warum das langfristig so wichtig ist

Viele Menschen betrachten zunächst nur die monatliche Rate.

Doch die eigentliche Frage lautet:

Wie viel Fremdkapital muss überhaupt aufgenommen werden?

Jeder Euro, der nicht finanziert werden muss, verursacht später keine Zinsen.

Durch die Reduzierung des Darlehens um rund 70.000 Euro verbessert sich nicht nur die Gesamtbelastung, sondern häufig auch die Flexibilität für die Zukunft.

Das schafft finanzielle Freiräume für:

  • Familie
  • Rücklagen
  • Modernisierungen
  • Sondertilgungen
  • unerwartete Ausgaben

 

Mein Fazit als Finanzierungsberater

Dieser Fall zeigt sehr deutlich, dass eine gute Baufinanzierung nicht allein durch den niedrigsten Zinssatz entsteht.

Die Hausbank hatte durchaus ein solides Angebot erstellt.

Der entscheidende Unterschied lag jedoch darin, sämtliche vorhandenen Bausteine einzubeziehen und den Bauablauf bis ins Detail zu planen.

Am Ende stand keine spektakulär günstigere Kondition im Vordergrund.

Der eigentliche Erfolg bestand darin, dass das Bauherrenpaar 70.000 Euro weniger Bankdarlehen aufnehmen musste als ursprünglich vorgesehen.

Und genau das ist oft die beste Form des Sparens: Geld gar nicht erst finanzieren zu müssen.

Mein Motto lautet darum:

„Die beste Finanzierung ist nicht immer die mit dem niedrigsten Zinssatz, sondern die, die optimal zu den Zielen des Kunden passt.“

 

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