FinanzKOMPASS: Danke für deine Zeit, Sindy. Corona ist ja für Eltern nochmal eine zusätzliche Herausforderung. Wie sieht denn momentan dein normaler Arbeitstag aus?

Sindy Rakowski: Von unternehmerischer „Normalität“ kann im Grunde seit der Geburt meines Kindes und explizit, seit der eingeschränkten Betreuungssituation in den Kitas keine Rede sein. (Kichernd unter vorgehaltener Hand) Aber normal kann ja jeder!
In der heutigen Zeit ist nicht nur bei freiberuflichen Mamas ein Höchstmaß an Flexibilität und Kreativität gefragt. In den Zeiten, wo mein Kind betreut ist oder abends schläft, nutze ich jede freie Minute für strategische Überlegungen und die Medien zur Kommunikation mit meinen Mandanten.

Da das auch meist verständnisvolle Eltern sind, klappt das auch bei widrigen äußeren Umständen, zumeist sehr gut.

FK: Würdest du sagen, dass es für dich als Frau schwieriger ist in der Finanzbranche? Was ist so das häufigste Vorurteil, mit dem du konfrontiert wirst?

SR: Früher habe ich mir selber eingeredet, dass man es als Frau in der Selbstständigkeit schwerer hat und erst recht in einer Männerdomäne wie der Finanzbranche.
Tatsächlich habe ich früher sehr auf Etikette geachtet, um mir ein entsprechendes Standing zu erarbeiten.
Heute weiß ich, dass einzig und allein die persönliche Einstellung der persönliche Erfolgsgarant ist, ob für Mann oder Frau und zwar völlig unabhängig davon, ob die Krawatte perfekt sitzt und der Rock mindestens Knielang ist…
Für mich ist der Schlüssel für eine achtsame und enge Kundenbindung oder einen angenehmen kollegialen Umgang mit Geschäftspartnern gnadenlose Authentizität.
In meiner Welt haben Vorurteile keinen Platz. Ich stehe einfach zu dem, wer und was und wie ich bin, ein Mensch mit Stärken und Schwächen, mit Prägungen und ganz persönlichen Herausforderungen und damit lebt es sich durchaus entspannt.

FK: Ein positives Vorurteil wäre ja, dass Frauen mitfühlender sind. Kannst du das bestätigen? Nimmst du die Sorgen deiner Kunden auch mal mit nach Hause?

SR: Ich würde das nicht als Vorurteil formulieren, sondern als evolutionsbiologische Tatsache, dass Frauen einen stärker ausgeprägten sozialen Instinkt haben.
Meine Intuition leitet mich tatsächlich sehr bei der täglichen Arbeit mit Menschen und hilft mir, mich auf ihre individuellen Sorgen und Nöte, auf Ihre Träume und Pläne gedanklich einzustellen… mich in sie regelrecht hineinzuversetzen und zu schauen, was ich wohl an Ihrer Stelle tun würde, gepaart mit meinen Erfahrungswerten und Kompetenzen.
So macht mir das Arbeiten richtig Spaß, weil ich gedanklich immer wieder in neue Welten eintauchen und z.B. auch Finanzthemen aus unterschiedlichsten Perspektiven betrachten darf.
Die Herausforderungen der Kunden beschäftigen mich durchaus auch mal über die Türschwelle des Kunden hinaus. Ich persönlich empfinde das jedoch als normal und durchaus wertvoll, weil ich an diesen Themen oftmals selber weiter wachsen kann.

FK: Sind Männer für dich einfacher zu beraten als Frauen? Oder gibt es da keine Unterschiede?

SR: Für mich macht es überhaupt keinen Unterschied, ob ich einen Mann oder eine Frau berate.
Für mich gibt es nur Menschen mit hoch individuellen Charakteren, Prägungen, Bedürfnissen und Wünschen.
Die Kunst ist es, für uns als Berater, diese so gut es geht, lesen zu lernen, aktiv hinzuhören, was uns das Gegenüber überhaupt sagen möchte und wie genau ich ihn bei der Verwirklichung seiner Träume unterstützen kann.
Je besser es mir gelingt, mich auf mein Gegenüber emotional und auch gedanklich einzustellen, um so leichter fällt es mir, für ihn passende Lösungen für z.B. seine Finanzfragen zu finden.

FK: Haben Frauen einen anderen Absicherungs-Bedarf als Männer?

SR: Auch hier ist mein Eindruck der, dass jeder Mensch einen ganz individuellen Absicherungsbedarf hat.
Mir persönlich liegt aber durchaus eine gute Versorgung / Vorsorge für die Muttis in meinem Kundenkreis am Herzen. Durch Erziehungszeiten und zum Teil herausfordernden Zeitmanagement, bleibt das Thema der persönlichen Absicherung gegen Alltagsrisiken oder auch der Altersversorgung zu Gunsten „der Anderen“, die erstmal versorgt sein müssen, durchaus gerne mal auf der Strecke, wie ich immer wieder beobachte.
Und da schließe ich mich selber noch nicht einmal aus 🙂
Hier sehe ich ein wichtiges Aufklärungspotenzial.

FK: Was war das krasseste Vorurteil, das dir mal begegnet ist?

SR: Also glücklicher Weise bewege ich mich anscheinend in Kreisen, wo Vorurteile so zu sagen Mangelware sind. Ansonsten würde ich wohl schleunigst mein Umfeld ändern.
Aber durchaus gab es mal eine Spitze, über die ich heute schmunzeln kann.
Da hieß es mal „Du brauchst eh nur mit den Augen klimpern und die Männerwelt unterschreibt dir alles, was du denen vorlegst“
Mhhh… das wäre herrlich. Einen Ehevertrag zum Beispiel 🙂
Nein, Spaß. So einfach ist das in einer seriösen Dienstleistungsbranche, in der wir uns hier bewegen, sicher nicht. Ich berate zumeist junge Familie, wo immer gleich beide Pole am Tisch Ihre individuelle Aufmerksamkeit von mir fordern und ja: da SCHAUE und HÖRE und FÜHLE ich sehr genau hin, um nichts zu übersehen, was mir meine Ausarbeitungen erleichtern könnte.
Am Ende freut sich sicher jeder Mensch da draußen über eine freundlich herzliche Art und Augen, die selbst mit Maske nicht aufhören zu strahlen und zu lachen.

FK: Gibt es irgendwas, was du dir von deinen männlichen Kollegen wünschen würdest?

SR: Nun, im Grunde das, was ich mir von jedem Menschen wünsche, dem ICH achtsam begegne.
Respekt und Toleranz hinsichtlich unser aller Individualität.
Begegnungen auf Augenhöhe.
Dankbarkeit.

Weniger reden, mehr machen!
Ich erwische mich in der Kommunikation mit einigen Männern in dieser Branche immer wieder bei dem Gedanken: “Ok. Worte sind genug gewechselt, lasst Taten folgen.”
Wenn man jetzt wirklich mal die Klischees etwas kitzeln mag, dann waren es ja die Herren der Schöpfung, die Jagen waren und die großen Tiere erlegten, die schützend vorne weg marschierten und den Weg bereiteten, ganz einfach, weil man diese Spezies durchschnittlich mit etwas mehr Testosteron und Muskeln ausgestattet hatte.
Heute sehe ich jedoch immer öfter auch zarte Frauen geradewegs durchs Sturmfeuer rennen, während die männlichen Artgenossen lieber zu Hause das Lager bewachen.
Auch nett, aber nicht auszudenken, was wir alle auf die Beine stellen könnten, wenn eben jeder dem Ruf seines Herzen folgen würde und einfach nach allen Kräften und besten Wissen und Gewissen einfach tut, was er am besten kann und liebt.
Das ist eine der Sachen, wofür ich früh aufstehe…
Menschen helfen, wieder in ihre Kraft zu finden, wieder aller äußeren Umstände, seinen Mann oder seine Frau zu stehen, so gut es eben geht.

FK: Wann ist es in der Finanzbranche besser, eine Frau zu sein?

SR: Keine Ahnung. Ich verstehe die Frage nicht 🙂

FK: Bereust du manchmal deine Entscheidung für die Finanzbranche?

SR: Ja und Nein. Ich bin grundlegend ein Mensch, der eher Dinge bereut, die er nicht getan hat, als Themen, die zwar hier und da auch mal unbequem und mühsam oder herausfordernd sind, anzupacken und irgendwie das Beste draus zu machen.
Mein eigentlicher Lebenstraum, war es Ärztin zu werden… diesen konnte ich seinerzeit nicht verfolgen durch persönliche familiäre Lebensumstände.
Und dann hat das Leben mich in eine Branche katapultiert, wo ein hypokratischer Eid, Nachhaltigkeit und Ökonomie nicht unbedingt gesetzte Standards sind, was mich hier und da schon manchmal an der Loyalität der gesamten Menschheit zweifeln lässt, wenn man das so sagen darf.
Die gute Nachricht an meinem Lebensweg ist jedoch, dass ich es selber in der Hand habe, wie ICH meine tägliche Arbeit mit den Menschen letztlich lebe und umsetze….
Da ich heute als Finanzberaterin und Finanzcoach in der täglichen Kommunikation mit Menschen mindestens genau so gefordert bin, wie eine Psychologin, wird mir selbst mit den vielen Zahlen, Daten und Fakten um mich herum, so schnell nicht langweilig.
Dennoch sehe ich das Stresslevel und die Schnelllebigkeit dieser und auch anderer Branchen als durchaus bedenklich und hier und da sicher auch als reformationsbedürftig an.

Ich stelle meinen Kunden oft die Frage, wenn Geld und Zeit keine Rolle spielen würden, du nicht scheitern könntest und die Meinung der anderen egal wäre… was würdest du tun???
Also… ich würde mit einem Lottogewinn im Gepäck dann sehr viel mehr Reisen, meine Sinne vom Leben weiter schärfen lassen, weltweit gemeinnützige Herzensprojekte von alleinerziehenden Mamas, elternlosen Kindern und verwaisten Äffchen unterstützen, als selber weiter vom PC aus mit Fonds oder Versicherungen zu jonglieren.

Zurück in der Realität um 8 Uhr morgens in Ilmenau versuche ich einfach zwischen meiner Rolle als Mutter, Hausfrau, Freundin, Tochter, Enkelin, Nachbarin, Künstlerin, Kollegin und Unternehmerin irgendwie einen Kompromiss und gesunden Mittelweg zu finden.

Und dies gelingt mir, denke, recht gut.

FK: Wer ist schlauer in Finanzfragen? Männer oder Frauen?

SR: Tja, das kommt auf den Typ Mann oder Frau an…
Es gibt die Super Brains, die quasi Excellisten im Kopf führen sowohl bei Männern als auch bei Frauen…
Die Frage ist, was ist schlau?
Ich kenne sehr viele Männer in meinem Kollegenkreis, die mir fachlich Haushoch überlegen sind mit Ihrem Expertenstatus für IHR Fachgebiet… und ich kenne ganz tolle Beraterinnen und Berater, die die besten Finanzkonzepte schnüren, ohne die dritte Null nach dem Komma zu notieren, die aber sozial und emotional so nah am Kunden dran sind, dass sie gefühlt die eigene Familie beraten und sich so viel Zeit und Mühe geben, wie sie nur können, um den Klienten optimal zu helfen.
Wenn man einen Fisch nur eben danach beurteilt, wie gut er auf Bäume klettern kann, wird man die ganze Zeit glauben, er sei dumm und unfähig. Dabei ist er nur nicht in seinem Element!
Seine Kernkompetenz ist einfach eine andere.
Und, um in diesem Leben, auch in Finanzfragen, die richtigen Entscheidungen treffen zu können braucht es aus meiner Sicht einfach beides.
HERZ und VERSTAND… genau diese Mischung macht’s.
Am besten ist also TEAMWORK und Ergänzung von Kompetenzen… im Job, wie im Privaten.
Dann geht es nicht darum, wer besser oder schlechter ist…
sondern darum, das JEDER wichtig ist, SEINEN Beitrag leistet und gut so ist, wie er ist!

Ich über mich:

Mein Name ist Sindy Rakowski, gelernte Bankkauffrau, Finanzassistentin, Finanzcoach und systemischer Coach. Ich bin seit 13 Jahren Unternehmerin und alleinerziehende Mutti eines 5 jährigen Wirbelwindes.

Meine Herzensaufgabe ist es, Mandanten hinsichtlich Ihrer persönlichen Finanz- und Lebensplanung individuell zu unterstützen. Dabei gilt bei mir immer der Grundsatz, mit Herz und Verstand, alles aus einer vertrauensvollen Hand, anzubieten.

Dabei scheue ich auch nicht, den Blick über den Tellerrand und stehe den Kunden auch bei persönlichen Fragen Ihrer Zukunftsplanung gerne mit Rat und Tat zur Seite. Denn dies ist in meinen Augen, die Grundlage für eine maßgeschneiderte individuelle Finanzstrategie.

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