Unsere Kundin ist eine junge Person in Ausbildung zur MTL (medizinisch-technische Laboratoriumsassistenz) mit Abitur. Viele würden erwarten, dass BU hier „automatisch“ einfach ist. Genau das ist ein Trugschluss: Nicht das Alter entscheidet, sondern die gesundheitliche Vorgeschichte und wie diese in der Risikoprüfung bewertet wird.

Gesundheitsangaben im Überblick

In der Voranfrage standen mehrere Punkte, die in Summe anspruchsvoll sind:

  • Atrioventrikulärer Block (Herzrhythmusstörungen)
    Anhand von Berichten konnte belegt werden: relativ harmlos, keine Behandlung außer jährlicher Verlaufskontrolle.

  • Penicillinallergie

  • Depressive Episode 2021–2022 (60 Tage stationär)

  • Hornhautverkrümmung und Schielen mit Einschränkungen des räumlichen Sehens

Die Mischung aus Psyche, Herz und Augen sorgt bei vielen Versicherern für Zurückhaltung. Umso wichtiger ist eine klare, belegte Darstellung.

Depressive Episode mit Klinikaufenthalt: Warum Versicherer hier oft ablehnen

Psychische Vorerkrankungen sind in der BU-Prüfung häufig der kritischste Bereich, insbesondere wenn es einen stationären Aufenthalt gab. Viele Versicherer reagieren hier streng, weil das Risiko für Rückfälle und erneute Behandlungen aus deren Sicht schwerer kalkulierbar ist.

Typische Fragen in der Prüfung:

  • Wie war der Verlauf (Auslöser, Dauer, Behandlung)?

  • Wie stabil ist die Situation heute?

  • Gibt es laufende Therapie oder Medikamente?

  • Wie lange ist der Zeitraum ohne Beschwerden?

  • Gibt es Folgediagnosen oder weitere Krankschreibungen?

Genau deshalb ist eine Voranfrage so wichtig: Du willst vermeiden, dass ein unglücklich gestellter Antrag direkt zu einer offiziellen Ablehnung führt.

Herzrhythmusstörung richtig einordnen: Was Berichte leisten müssen

Viele Kund:innen sagen: „Das ist harmlos.“ Versicherer glauben das erst, wenn es Befunde belegen.

In diesem Fall konnte über Berichte nachvollziehbar dargestellt werden:

  • keine laufende Behandlung

  • keine Einschränkungen im Alltag

  • lediglich jährliche Verlaufskontrolle

So wird aus einem „Risiko“ ein medizinisch eingeordneter Sachverhalt. Das verbessert die Chancen deutlich, auch wenn es keine Garantie ist.

Augen und räumliches Sehen: Wie eine tragfähige Klausel entstand

Zusätzlich gab es das Thema Hornhautverkrümmung und Schielen mit Einschränkungen beim räumlichen Sehen. Auch das kann je nach Tätigkeit, Ausprägung und Versicherer unterschiedlich bewertet werden.

Hier wurde in Absprache mit dem Maklerbetreuer eine Freitextklausel für die Augen formuliert, mit der alle leben konnten. Das ist ein entscheidender Punkt: Nicht immer lautet die Lösung „volle Annahme ohne Einschränkung“ oder „komplette Ablehnung“. Manchmal führt erst eine fachlich saubere Formulierung zu einer tragfähigen Absicherung.

Wichtig ist dabei, dass solche Klauseln präzise sind und nicht unnötig breit ausschließen.

Ergebnis der Voranfrage: Warum am Ende nur ein Versicherer übrig blieb

Trotz sauberer Aufbereitung war das Bild eindeutig:

  • Ein Versicherer war bereit zu versichern.

  • Drei Gesellschaften haben abgelehnt.

Das ist hart, aber realistisch bei dieser Kombination, vor allem wegen der stationär behandelten depressiven Episode. Umso wichtiger ist: Wenn es einen Versicherer gibt, der eine vertretbare Lösung anbietet, dann ist das Ergebnis nicht „schlecht“, sondern oft der entscheidende Unterschied zwischen Absicherung und keiner Absicherung.

3 Learnings aus dem Fall

  1. Psyche-Themen entscheiden oft über Annahme oder Ablehnung, vor allem bei stationärer Behandlung.

  2. Befunde sind stärker als Meinungen. „Harmlos“ muss dokumentiert sein.

  3. Klauseln können eine Lösung sein, wenn sie präzise und fair formuliert werden.

 

Was du bei Psyche-Themen in der BU unbedingt vermeiden solltest

  • Niemals „einfach mal beantragen“, ohne Voranfrage.

  • Keine unklaren Aussagen wie „war nichts“ oder „ist vorbei“ ohne Nachweise.

  • Nicht vergessen: Auch scheinbar „nebenbei“-Infos (Therapie, Medikamente, weitere Arztkontakte) müssen korrekt beantwortet werden.

 

Fazit: Mit Strategie statt Zufall zur passenden Absicherung

Dieser Fall zeigt, wie schnell BU bei jungen Menschen komplex wird, wenn mehrere Diagnosen zusammenkommen. Die Absicherung war am Ende möglich, aber nicht durch Glück, sondern durch Unterlagen, Strategie und eine Lösung über eine passende Klausel.

Wenn du BU strukturiert angehen willst, kannst du hier deinen persönlichen Beratungstermin vereinbaren.

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