Die Vielfalt der Produktpalette im Bereich der biometrischen Risiken nimmt immer mehr zu und ist mittlerweile nur noch für die wenigsten oder nur mit Hilfe von Vergleichsprogrammen zu übersehen. Besonders preisgünstige Ausweichprodukte in der Einkommenssicherung wie Grundfähigkeits-Versicherungen, Dread Disease-Policen oder Multi-Risk-Policen, in Maßen auch Erwerbsunfähigkeits-Versicherungen erobern stetig Marktanteile. Dabei bleibt nach wie vor unbestritten, dass die Berufsunfähigkeits-Versicherung den umfangreichsten Schutz bietet und auch weiterhin ohne Alternative bei der Absicherung der Arbeitskraft ist.

Einkommenssicherung wird im Top-Segment teurer

Aber ebenso ist bekannt, dass sich durch den unumkehrbaren Trend der Berufsgruppen-Differenzierung dieser existenzielle Schutz der Einkommenssicherung für viele Berufe ins Unbezahlbare verteuert hat. Wer dann aus finanziellen Gründen auf ein Ausweichprodukt aus dem Bereich der funktionellen Invaliditätsabsicherung setzt, trägt einen großen und schwer kalkulierbaren Teil des Risikos wieder selbst.

Die temporäre BU ist derzeit die einzige Lösung am Markt, die vollen Schutz auf Zeit bietet und einen Preisvorteil verspricht. Leider ist hier die Auswahl nicht gerade groß. Seit 2018 gibt es überhaupt keine mehr. Leider. Ein Vergleichsprogramm ist also vorerst nicht notwendig, wenngleich einige der geläufigen Programme die temporäre BU optional mit in den Vergleich mit aufnehmen können.

Darüber hinaus kann man die Prämie einer BU nur durch weniger Rente oder kürzere Laufzeit drücken. Beide Varianten bergen ein Risiko, das nur im zweiten Fall und auch da nur bedingt kalkulierbar ist.

Die Aufgabe ist es also, mit den vorhandenen Produkten und Tarifen eine Lösung zu konstruieren, die preisgünstiger ist, aber das selbst zu tragende Risiko gut kalkulierbar.

Lösung über Laufzeitverkürzung

Unter dem Strich nicht preisgünstiger, aber vom Kunden eher akzeptiert ist die Lösung, die Laufzeit zu verkürzen und den ersparten Beitrag in eine Rentenversicherungen mit Beginn der flexiblen Rentenphase ab 62 zu stecken, um im Falle einer BU ab dem 62. Lebensjahr den entstandenen Fehlbetrag abzufedern.

Rechnet man für einen 34-jährigen Mechatroniker eine BU-Rente bis zum 67. mit 1.000 €, dann kostet diese beim günstigsten Anbieter, der alle vorgegeben Bedingungen erfüllt, 95,42 €. Die 1000 € decken sicherlich nicht die entstehende Lücke bei Berufsunfähigkeit und sind hier nur zur Veranschaulichung gewählt.  Bei einer verkürzten Versicherungs- und Leistungsdauer bis zur Vollendung des 62. Lebensjahres liegt die Investition bei 63,13€. Das ist eine Ersparnis von ca. 34%. Legt der Mechatroniker die ersparten ca. 35 € in einer fondsgebundenen Rente an, die 6% vor Kosten schafft, dann bekommt er eine Rente zwischen 80-90 € monatlich. Sofern er nicht BU wird, freut ihn das. Der Pferdefuß an dieser Lösung ist aber, dass eine Berufsunfähigkeit mit zunehmendem Alter immer wahrscheinlicher wird.

Einkommenssicherung über zwei Verträge

Eine interessante Variante dieser Lösung ist die Verteilung der Einkommenssicherung auf zwei Verträge. Einer mit Laufzeit bis 67, der andere mit Laufzeit bis 61.

Dieses Gedankenspiel muss bei der Einkommenssicherung individuell geprüft werden. Es bezieht gesetzliche Ansprüche aus der Renten- und Sozialversicherung mit ein. Dabei ist immer zu bedenken, dass sich die Höhe der Ansprüche je nach verdienten Entgeltpunkten und Lebensalter ändern kann und auch der gesetzliche Rahmen generell nicht für alle Zeiten in Stein gemeißelt ist. Aber als Inspiration ist es ein sehr interessanter Gedanke und zeigt, welche Möglichkeiten es gäbe.

Für dieses Beispiel legen wir einen durchschnittlichen Arbeitnehmer mit einem Bruttogehalt von 2.500 € zugrunde. Daraus ergäbe sich eine Altersrente nach 45 Jahren von ca. 1.100€ brutto. Arbeitslosengeld I läge bei etwa 1.000€, wenn wir von einem kinderlosen und alleinstehenden Arbeitnehmer ausgehen. Es verbietet sich zwar, mit einer Erwerbsminderungsrente zu rechnen, aber der Vollständigkeit halber sein erwähnt, dass diese derzeit durchschnittlich bei ca. 650 € brutto liegt. Bei einer Erwerbsminderung ab dem 63. Lebensjahr könnte unser Durchschnittsverdiener sogar ca. 900€ Rente brutto beziehen.

Besonders sinnvoll ist es übrigens, den Bedarf anhand der Ausgaben zu prüfen. Die Ausgaben, die ich wegen meiner Kinder habe, habe ich ziemlich sicher nicht bis 67. Also kann ich diesen Teil deutlich kürzer absichern.

Einberechnung staatlicher Ansprüche

Dieser Lösungsansatz arbeitet mit einem Hauptvertrag der ca. 65% der benötigten Summe abdeckt. Der Gedanke, der dahinter steckt, ist folgender: Bin ich älter als 58, kann ich 2 Jahre Arbeitslosengeld beziehen. Dieses Geld sollte ich dann ansparen, um die 2 Jahre von 61 bis 63 zu überbrücken. Ab 63 erfolgt nämlich bei Arbeitslosigkeit eine Zwangsverrentung. Und sofern ich BU wäre, aber nicht erwerbsgemindert, bin ich faktisch arbeitslos. Nach Angaben der Deutschen Rentenversicherung liegt das Durchschnittsalter der unfreiwilligen Frührentner sogar bei 51 Jahren. Also ist diese verfrühte Rente durchaus etwas, das man in die Kalkulation einfließen lassen kann.

Der Abschlag bei Zwangsverrentung beträgt für alle ab 1964 geborenen 14,4%. Hinzukommt, dass mir im Falle des Durchschnittsverdieners für die Jahre vom 63 bis 67 vier Entgeltpunkte fehlen. Nach jetzigem Stand ist ein Entgeltpunkt in Westdeutschland 28,61 € und im Osten 26,39 € wert. Also würde unser Kunde in diesem Beispiel mit 63 eine Rente von ca. 820 € brutto bekommen.

Mögliche Überversorgung

Nun hätte ich mit den 65% der abgesicherten BU-Rente eine Überversorgung. Diese ist aber auch dringend notwendig, um die gekürzte gesetzliche Altersvorsorge privat auszugleichen. Wer hier sportlicher denkt, darf selbstverständlich den Hauptvertrag auf 50% oder weniger senken. Allerdings erhöht sich dadurch das Risiko, dass ich im Zweifel selbst zu tragen habe.

Werde ich deutlich jünger BU, muss die Rentenhöhe beider Verträge ausreichen, um die entstehende Lücke zu schließen.

Beziehe ich zusätzlich Erwerbsminderungsrente ist die Situation der Einkommenssicherung noch besser.

Und die Fälle, die berufsunfähig sind, aber dennoch in einem anderen Job bis zu 80% des alten Gehalts verdienen, haben mit hoher Wahrscheinlichkeit eher keine finanziellen Sorgen im Vergleich zu vorher.

Beispielrechnung

Rechnet man wieder für einen 34-jährigen Mechatroniker bleibt es bei dem oben genannten 95,42 €. Teilt man die Verträge in einen mit 650 € bis Endalter 67 und einen zweiten mit 350€ bis Endalter 61, spart sich der Kunde etwa 14%. Er müsste 62,31 € für den Hauptvertrag bezahlen und 20,09 € für den Kurzläufer. Wenn man als Endalter für den kürzeren Vertrag das 63. Lebensjahr wählt, bliebe immer noch eine Ersparnis von ca. 10%. Dieser Vertrag würde bei gleichen Versicherer 23,94 € kosten.

Ersparnis durch jährliche Zahlweise

Eine weitere Ersparnis von bis zu 5% (abhängig vom Versicherer) ließe sich erreichen, wenn ich die jährliche Zahlweise wähle. Erfahrungsgemäß werden aber die Kunden, die auf Beitragsersparnis wertlegen, nur schwer in der Lage sein, den erforderlichen Beitrag zu leisten. Derzeit wäre sogar die Aufnahme eines Kredites günstiger, um den Jahresbeitrag zu begleichen. Über 30-40 Jahre Laufzeit lässt sich aber keinesfalls sagen, ob es auch dauerhaft so bleiben wird.

Risikobereitschaft in der Einkommenssicherung

Je nach Risikobereitschaft, ließe sich das gleich Modell auch mit einer temporären BU oder einer Kombination aus einer temporären und einer dauerhaften BU durchrechnen. Einkommenssicherung ist eben immer individuell.

In Einzelfällen kann es auch sinnvoll sein, dass Verhältnis der Rentenhöhe zwischen Hauptvertrag und dem kürzeren Vertrag zu verändern, je nachdem, wie man vielleicht schon vorgesorgt hat.

Auch in diesem Fall wäre es ratsam, die ersparte Prämie zusätzlich in eine Altersvorsorge anzulegen. Wenngleich hier die Notwendigkeit geringer ist als bei generellen Verkürzung der Laufzeit.

Je weniger Spielraum, desto gefährlicher

Bei allen Modellen, die auf Kante genäht sind, muss man unbedingt bedenken, dass eine empfindliche Versorgungslücke bei Gesetzesänderungen und vor allem bei einer Verlängerung der Lebensarbeitszeit entstehen kann.  Eine lückenlose Dokumentation der Beratung ist hier die Voraussetzung.

Fazit

Das Konstrukt ist durchaus gewagt. Aber kann im Einzelfall die bessere Lösung zu einer noch günstigeren Einkommenssicherung über Ausweichprodukte aus der funktionellen Invaliditätsabsicherung sein. Der Vorteil des Kunden ist bei dieser Lösung gegenüber Produkten aus dem Bereich der funktionellen Invalidität der deutlich bessere Schutz, die relativ einfache Kalkulierbarkeit des verbleibenden Risikos und eine erhöhte Altersvorsorge, wenn keine Berufsunfähigkeit eintritt.

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