Fast jeder kennt heute Unternehmen wie SpaceX oder OpenAI. Doch lange bevor solche Namen in aller Munde sind, werden entscheidende Weichen gestellt. Wo entstehen heute die Unternehmen, über die möglicherweise in fünf oder zehn Jahren gesprochen wird? Ein aktuelles Beispiel ist IQM Quantum Computers.

Wer an Geldanlage denkt, denkt häufig zuerst an Aktien, ETFs und die Börse. Doch die Börse bildet nur einen Teil der Wirtschaft ab.

Allein in Deutschland gibt es mehr als 16.000 Unternehmen mit über 50 Millionen Euro Umsatz und mehr als 250 Beschäftigten. Nur ein vergleichsweise kleiner Teil davon ist börsennotiert. Viele Unternehmen befinden sich weiterhin im Besitz ihrer Gründer, Familien oder privater Investoren.

Das bedeutet: Zahlreiche Innovationen und Wachstumsgeschichten beginnen lange bevor Anleger Aktien dieser Unternehmen kaufen können.

 

Venture Capital einfach erklärt

Genau hier setzt Venture Capital, auf Deutsch Wagnis- oder Wachstumskapital, an.

Dabei investieren Anleger mittelbar oder unmittelbar in junge Unternehmen mit großem Wachstumspotenzial. Diese entwickeln beispielsweise neue Software, Medizintechnik, künstliche Intelligenz oder Quantencomputer.

Das Kapital wird benötigt, um Produkte weiterzuentwickeln, Mitarbeitende einzustellen, Produktionskapazitäten aufzubauen oder neue Märkte zu erschließen.

Anders als bei einem klassischen Bankkredit wird das Geld nicht einfach zu einem festen Termin zurückgezahlt. Die Investoren erhalten dafür Anteile am Unternehmen und werden damit zu Miteigentümern.

Steigt der Unternehmenswert, können auch diese Anteile an Wert gewinnen. Scheitert das Unternehmen, sind allerdings erhebliche Verluste bis hin zum vollständigen Verlust des eingesetzten Kapitals möglich.

Venture Capital bietet daher besondere Chancen, ist aber auch mit hohen Risiken verbunden.

 

Warum die Zeit vor dem Börsengang interessant sein kann

Wenn ein Unternehmen an die Börse geht, hat es meist bereits mehrere Entwicklungsstufen durchlaufen. Das Geschäftsmodell wurde aufgebaut, Produkte wurden entwickelt und erste Kunden gewonnen.

Ein Teil der Wertsteigerung kann zu diesem Zeitpunkt schon stattgefunden haben.

Frühe Investoren steigen dagegen häufig ein, wenn die Zukunft des Unternehmens noch deutlich unsicherer ist. Sie tragen ein höheres Risiko, können im Erfolgsfall aber auch stärker an der Entwicklung beteiligt sein.

Ein späterer Börsengang bedeutet jedoch nicht automatisch, dass eine Beteiligung erfolgreich wird. Entscheidend ist letztlich, zu welchem Preis Anteile erworben und später tatsächlich verkauft werden können.

 

Ein aktuelles Beispiel: IQM Quantum Computers

Wie eine solche Entwicklung aussehen kann, zeigt das finnische Technologieunternehmen IQM Quantum Computers.

IQM entwickelt und baut Quantencomputer. Diese sollen bestimmte, besonders komplexe Aufgaben künftig deutlich schneller lösen können als herkömmliche Computer. Das Unternehmen zählt heute zu einem der führenden Hersteller von Quantencomputern in Europa.

Seit 2019 haben sich knapp 50 BSC-Anleger über zwei alternative Investmentfonds mittelbar an IQM beteiligt. Die durchschnittliche Beteiligung an den Fonds lag bei rund 12.500 Euro pro Anleger.

Davon floss jedoch nur ein kleiner Teil in IQM: durchschnittlich weniger als 800 Euro je Anleger. Das zeigt einen wichtigen Grundgedanken professioneller Venture-Capital-Fonds: Das Kapital wird nicht vollständig in ein einzelnes Unternehmen investiert, sondern auf mehrere Beteiligungen verteilt.

Die beiden Fonds stiegen in unterschiedlichen Entwicklungsphasen bei IQM ein. Beim ersten Fonds lag die Unternehmensbewertung zum Zeitpunkt der Investitionen im Durchschnitt bei rund 150 Millionen Euro. Der zweite Fonds investierte später zu einer durchschnittlichen Bewertung von rund 720 Millionen Euro.

 

Mehr als nur Kapital: die Rolle der Fondsmanager

Professionelle Venture-Capital-Investoren stellen einem Unternehmen nicht einfach nur Geld zur Verfügung. Im Idealfall begleiten sie seine Entwicklung über viele Jahre.

Auch bei IQM beschränkte sich die Beteiligung der Fonds nicht auf eine einzelne Finanzierungsrunde. Die Fondsmanager begleiteten das Unternehmen über mehrere Kapitalrunden hinweg und bauten die Beteiligung schrittweise aus.

Dabei brachten sie neben weiterem Kapital auch unternehmerische Erfahrung, Kontakte und Kenntnisse über Wachstumsprozesse ein. Sie konnten die Entwicklung des Unternehmens beobachten, neue Finanzierungsentscheidungen bewerten und IQM auf seinem Weg von einer frühen Wachstumsphase bis zum geplanten Zugang zur Börse begleiten.

Genau darin liegt ein wichtiger Mehrwert eines professionellen Fondsmanagements. Es geht nicht allein darum, ein vielversprechendes Unternehmen frühzeitig zu entdecken. Ebenso wichtig ist es, dessen Entwicklung über Jahre zu beurteilen, Chancen und Risiken immer wieder neu einzuordnen und bei einer positiven Entwicklung weitere Investitionen vorzunehmen.

Nach den uns vorliegenden Angaben halten die beiden Fonds heute gemeinsam rund 3,41 Prozent der Unternehmensanteile an IQM.

IQM auf einen Blick

  • Einstieg der beiden Fonds: zwischen 2019 und 2024
  • Beteiligte BSC-Anleger: knapp 50
  • Durchschnittliche Fondsbeteiligung: rund 12.500 Euro
  • Davon mittelbar in IQM investiert: weniger als 800 Euro je Anleger
  • Durchschnittliche Bewertung bei den Investitionen: rund 350 Millionen Euro
  • Bewertung vor dem geplanten Börsenzugang: rund 1,8 Milliarden US-Dollar
  • Anteil der beiden Fonds an IQM: zusammen rund 3,41 Prozent
  • Geplanter Börsenzugang: voraussichtlich im Jahr 2026

 

Noch ist die Transaktion nicht abgeschlossen

IQM plant den Schritt an den öffentlichen Kapitalmarkt über den Zusammenschluss mit einer bereits börsennotierten Zweckgesellschaft, einer sogenannten SPAC.

Im Rahmen dieser geplanten Transaktion wird IQM mit rund 1,8 Milliarden US-Dollar bewertet. Dieser Betrag ist zunächst eine vereinbarte Transaktionsbewertung und kein garantierter späterer Börsenkurs.

Bis zum tatsächlichen Abschluss müssen noch verschiedene Voraussetzungen erfüllt werden. Erst wenn Anteile später tatsächlich verkauft werden können, lässt sich beurteilen, welches wirtschaftliche Ergebnis für die Fonds und ihre Anleger entstanden ist.

Nach den derzeitigen Planungen könnten nach Ablauf der vorgesehenen Haltefrist ab Sommer 2027 erste Teilausschüttungen erfolgen. Ob, wann und in welcher Höhe diese stattfinden, hängt unter anderem vom Abschluss der Transaktion und der weiteren Kursentwicklung ab.

 

Was macht Quantencomputing so interessant?

Ein herkömmlicher Computer verarbeitet Informationen vereinfacht gesagt in Form von Nullen und Einsen. Quantencomputer arbeiten nach anderen physikalischen Prinzipien.

Dadurch könnten sie bestimmte sehr komplexe Aufgaben deutlich schneller bearbeiten als heutige Hochleistungsrechner. Mögliche Einsatzbereiche liegen beispielsweise in der Entwicklung neuer Medikamente und Materialien, bei der Optimierung von Verkehrs- und Produktionsabläufen oder bei wissenschaftlichen Berechnungen.

Quantencomputer werden klassische Computer dabei voraussichtlich nicht ersetzen. Sie sollen vielmehr bei ausgewählten Aufgaben eingesetzt werden, bei denen herkömmliche Rechner an ihre Grenzen stoßen.

Die Technologie befindet sich allerdings weiterhin in einer frühen Entwicklungsphase. Ob und wann daraus ein breiter wirtschaftlicher Nutzen entsteht, lässt sich heute noch nicht sicher vorhersagen.

 

Warum das gesamte Portfolio entscheidet

Nicht jede Venture-Capital-Beteiligung entwickelt sich erfolgreich. Manche Unternehmen wachsen langsamer als erwartet, benötigen zusätzliches Kapital oder stellen ihre Tätigkeit vollständig ein.

Deshalb investieren Venture-Capital-Fonds üblicherweise nicht nur in ein Unternehmen, sondern bauen ein Portfolio aus mehreren Beteiligungen auf.

Erfolgreiche Unternehmen können schwächere Entwicklungen anderer Beteiligungen ausgleichen. Eine breite Streuung kann Risiken reduzieren, aber nicht ausschließen.

Entscheidend sind unter anderem die Auswahl der Unternehmen, der Einstiegszeitpunkt, die Erfahrung des Fondsmanagements und die Möglichkeiten eines späteren Verkaufs.

 

Wo könnten die nächsten Chancen entstehen?

Technologischer Fortschritt löst Probleme – schafft aber zugleich neue Herausforderungen.

Künstliche Intelligenz und immer leistungsfähigere Rechenzentren benötigen beispielsweise enorme Mengen an Energie und Rechenleistung. Gleichzeitig müssen immer größere Datenmengen möglichst schnell zwischen Prozessoren, Speichern und verschiedenen Recheneinheiten übertragen werden.

Genau aus solchen Engpässen können neue Geschäftsmodelle entstehen.

Ein möglicher Lösungsansatz ist beispielsweise die Übertragung von Informationen mithilfe von Licht anstelle elektrischer Signale. Dadurch könnten Daten künftig schneller und energieeffizienter verarbeitet werden. Auch an solchen Technologien arbeiten bereits junge Unternehmen.

Welche davon sich durchsetzen werden, lässt sich heute nicht sicher vorhersagen. Vielleicht arbeitet aber bereits ein Unternehmen an einer entscheidenden Lösung, an dem sich Anleger heute mittelbar beteiligen können – ähnlich wie sich knapp 50 unserer Kunden vor einigen Jahren über die beiden Fonds an IQM beteiligt haben.

Genau das macht Venture Capital interessant: Anleger investieren nicht erst dann, wenn ein Unternehmen täglich in den Schlagzeilen steht. Sie erhalten die Möglichkeit, sich bereits in einer früheren Entwicklungsphase an möglichen Zukunftstechnologien zu beteiligen.

 

Für wen kommen solche Beteiligungen infrage?

Venture-Capital-Investments sind langfristig ausgerichtet, nur eingeschränkt verfügbar und mit hohen Risiken verbunden. Sie eignen sich daher nicht als Ersatz für eine liquide Rücklage oder eine solide Basisanlage.

Sie können eine ergänzende Beimischung für Anleger sein, die bereits über ein breit aufgestelltes Vermögen verfügen, das investierte Geld über viele Jahre nicht benötigen und auch einen vollständigen Verlust tragen könnten.

Ob eine solche Beteiligung zur persönlichen Vermögensstruktur passt, sollte deshalb immer individuell geprüft werden.

Die Geschichte von IQM zeigt: Viele spannende Unternehmensentwicklungen beginnen lange vor einem möglichen Börsengang. Und während eine Erfolgsgeschichte sichtbar wird, arbeiten andere Unternehmen bereits an den Lösungen für die Herausforderungen von morgen.

Wer mehr darüber erfahren möchte, wie Privatanleger Zugang zu solchen Beteiligungen und Zukunftstechnologien erhalten können, kann sich gerne an uns wenden.

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