Zuerst ein Abrücken, dann Entspannung, dann Stress – Frankreich schickte am Freitag gemischte Signale, was den Bau der Ostseepipeline „Nord Stream 2“ angeht. Dabei galt das Land vorher als enger Verbündeter Deutschlands und stand hinter dem Projekt. Mehrere EU-Staaten waren hingegen für eine stärkere Regulierung. Diesem Lager schloss Frankreich sich kurzfristig an. Um die Zukunft des Projekts zu retten, musste ein Kompromiss her.

Halt in letzter Sekunde

Zwar haben sich die EU-Staaten nun geeinigt, doch die von Deutschland und Frankreich ausgehandelte Einigung sorgt für Unruhe in Moskau, berichtet die Welt. Denn das, was die Verhandlung ergab, ähnelt ein wenig dem vorigen Regulierungsplan, der den Bau von Nord Stream 2 gestoppt hätte. Der Grund: Laut n-tv hätte die geplante Änderung einer EU-Gasrichtlinie es der EU-Kommission ermöglicht, dem Projekt Nord Stream 2 zusätzliche Bedingungen aufzuerlegen. So wäre es möglich gewesen, die Regeln des dritten Energiepakets auf Leitungen auszuweiten, die aus Drittstaaten außerhalb der EU nach Europa hineinfließen – wie eben Nord Stream 2. Dieses sieht unter anderem die Trennung des Netzbetriebs von der Versorgung und der Erzeugung vor. Aktuell liegen beide Dienste in Händen vom russischen Energiekonzern Gazprom.

Bei Bedarf regulieren

Dahingegen sieht die in Brüssel ausgehandelte Einigung sieht nun vor, dass die EU-Gasrichtlinie immerhin verändert werden darf, um Nord Stream 2 strengere Auflagen zu geben, nicht aber von vornherein bereits dafür sorgt. Die Zukunft des Projekts solle dabei nicht gefährdet werden. Ferner ist nun das Land, in dessen Territorium die Importleitung angrenzt, für die Regulierung zuständig. Demnach behält Deutschland die Oberhand über das Projekt – auch dann, wenn es fertig gestellt ist.

Wer zahlt was?

Bereits seit Jahren kritisieren osteuropäische EU-Mitglieder sowie die Vereinigten Staaten von Amerika die Pipeline heftig. Unter anderem besteht der Vorwurf, die EU mache sich zu sehr von Russland abhängig. Zudem schade die Pipeline den Interessen mehrerer Länder, durch die aktuell Gas geleitet wird, etwa Polen oder der Ukraine. Nordstream 2 soll jährlich 55 Milliarden Kubikmeter Gas von Russland nach Deutschland transportieren. Der Bau kostet laut der FAZ über neun Milliarden Euro und soll Ende 2019 für den Betrieb bereit sein. Einzig formeller Anteilseigner des Projekts ist Gazprom, nebenher unterstützen jedoch Wintershall und Uniper aus Deutschland, das niederländisch-britische Unternehmen Shell, Engie aus Frankreich und der österreichische OMV-Konzern den Bau.

Das Geschäft mit dem Gas

An der Börse geht es für Gazprom derzeit mit 0,95 Prozent nach oben, die Aktie steht bei 4,24 Euro. Shell wiederum rutscht mit minus 0,40 Prozent auf 27,54 Euro. Die Wintershall-Mutter BASF steht mit 0,95 Prozent im Minus bei 62,56 Euro pro Aktie.

Titelbild: © THANIT / Fotolia.com

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